Thorsten Mitzinger
1993
Schriftliche Arbeit für den 1 Techniker- Lehrergrad
im WT (Wing Tsun)
Mein Werdegang
im Wing Tsun (WT)
Es begann damit, dass ich von einem Freund hörte,
es gibt Wing Tsun Kung Fu in Lindlar. Mein Interesse
war sofort geweckt. Mit dem Namen Wing Tsun konnte
ich nicht viel anfangen, aber mit dem Begriff Kung
Fu. Da ich Judo betrieben hatte, kannte ich Kung Fu
und entschloss gleich mir WT anzuschauen.
Wenige Tage später stand ich vor der Wing Tsun
(WT) Schule, und meine Motivation wuchs noch, als
ich auf einem Werbeplakat las, das Bruce Lee WT praktiziert
hatte.
Ich machte ein Probetraining mit und war begeistert.
Ich selber übte zwar nur den ersten Satz der
Form, aber als ich das Training der Fortgeschrittenen
beobachtete, fühlte ich das WT etwas Besonderes
sein musste und trat der Schule bei.
Am Anfang war
WT für mich undurchsichtig. Die Bewegungen meist
schwer zu erklären, da sie sich von dem Gewohnten
völlig unterschieden. Aber mir wurden schnell
die Vorteile bewusst und mir viel auf, das ich mir
falsche Vorstellungen von einem richtigen Kampf machte,
geprägt durch Kampfsportfilme und Phantasien.
Nach ca. drei Monaten konnte ich zu einem WT Lehrgang
nach Aachen fahren, wo ich meine erste Schülerprüfung
mit dreizehn Jahren am 13.12.87 bestand.
Auf diesem Lehrgang sah ich zum ersten Mal wie vielseitig
WT war und bewunderte das Können von meinem Sifu
K. K. und das der höheren Ausbilder.
Voller Motivation ging ich dann in das wöchentliche
Training, mit dem Ziel mein WT zu verbessern und die
zweite Schülerprüfung bestehen zu können.
Was mich immer überzeugte, war der direkte Vergleich
zwischen WT und anderen Kampfsystemen, wie z. B. Karate
oder Taekwon-Do. Diese Systeme machen soviel anderes,
so dass sie mit sicherer Selbstverteidigung nur im
Entferntesten Sinne zu tun haben.
Dann folgte meine
zweite Schülerprüfung, die ich auch in einer
Schule in Aachen bestand. WT faszinierte mich immer
mehr, und ich konzentrierte meine ganze Zeit darauf,
besser zu werden. Die Arbeit lohnte sich und brachte
mir im April 1988 die dritte Schülerprüfung
ein. Jeder Fortschritt gab mir mehr Motivation. Ich
merkte das WT mein Selbstbewusstsein stärkte,
und auch im Kampf konnte ich es erfolgreich einsetzen.
Am 03.09.88 war es etwas Besonderes, das erste Mal
meinen Sifu in der Heimatschule erleben zu können
und meine vierte Schülerprüfung zu bestehen.
Ich fand es verblüffend, welche Fähigkeiten
man durch Jahrzehnte langes Training erwirbt.
Ich nahm bei meinem Trainer Hans R. Privatunterricht
und fuhr in einer kleinen Gruppe nach Heidelberg zum
Ausbildungszentrum Schloss Langenzell. Danach lernte
ich das Reflextraining Chi Sao kennen und machte Vollkontakt.
Mein nächstes Ziel
war es die fünfte und sechste Schülerprüfung
gemeinsam abzulegen. Dies schaffte ich mit vierzehn
Jahren Ende 1988 in Gummersbach.
Mir wurde klar, welche Fortschritte man mit Privatunterricht
erzielen konnte.
Zu dieser Zeit
fing ich mit spezifischem Krafttraining an, um meine
Leistung im WT zu verbessern und ich hatte meinen
ersten Kontakt mit dem Waffenkampf Escrima.
Dann zog die WT Schule in bessere Räumlichkeiten
und im Januar 1988 begrüßten wir Emin Boztepe
in Lindlar. Dieser Lehrgang bestätigte mir, wie
realistisch und ernstzunehmend WT ist. Ich machte
meine siebte Schülerprüfung und Sihing Emin
gab mir viel Motivation WT kampforientierter zu betreiben.
Es ist wichtig an der Realität nicht vorbei zu
trainieren, und Emin ist eines der guten Beispiele
wie effektiv WT funktioniert.
Drei weitere Monate Training und Privatunterricht
folgten, und am 17.03.89 nahm ich meine achte Schülerprüfung
entgegen. Ich lernte das Sparringsprogramm Lat Sao
kennen und fand es bemerkenswert, wie sich das Training
verbesserte.
Weiterer Ehrgeiz
und Fleiß zahlten sich aus, und ich bekam Mitte
des Jahres meine neunte Schülerprüfung überreicht.
Ich verstand immer besser WT und manches was für
mich nicht durchsichtig erschien, war jetzt völlig
klar. WT ist einfach ein logisch konstruiertes Selbstverteidigungssystem.
Ich wunderte mich über andere Kampfsysteme, die
auch als Ziel hatten sich zu verteidigen, aber Techniken
aus Tradition übten, die für einen realistischen
Kampf auf der Straße nicht funktionsfähig
waren.
Ich bin dankbar dass ich WT kennen und schätzen
gelernt habe.
Ich fing an Kickboxen zu betreiben, um noch einen
besseren Einblick im sogenannte Kampfsport zu bekommen.
Zusätzlich begeisterte mich das regelmäßige
sportliche Sparring, und mein Kampfgeist wurde besser.
Ich behielt es aber bewusst in Maßen, um mein
WT nichtn zu verschlechtern.
Es kam noch regelmäßig Escrima hinzu, welches
sich optimal mit dem WT verbinden lässt, weil
es sich auch auf das Wesentliche konzentriert. Somit
entwickelte ich eine zweite Vorliebe zum Escrima.
Das gesamte Training nahm jetzt meine ganze Freizeit
in Anspruch.
Mittlerweile bekam
ich Interesse am Ausbilden und fragte daraufhin meinen
Trainer. Dieser sagte, dass es noch etwas zu früh
sei und man bestimmte Voraussetzungen haben muss.
Er aber gerne mich optimal unterstützen würde,
damit ich diese Voraussetzungen erreiche. Dies tat
er, motivierte mich und gab mir Tipps.
Am 23.09.89 besuchte uns das zweite Mal Sifu K. K.
in Lindlar. Ich machte dort den ersten Teil der zehnten
Schülerprüfung und exakt fünf Monate
später bestand ich sie komplett in Gummersbach.
Die Zehnte fand ich sehr interessant. Das Kämpfen
gegen mehrere Angreifer mit einer bestimmten Strategie,
hat mir gezeigt, wie gut man im Zweikampf sein musste.
Sehr motiviert und realistisch eingestellt machte
ich mein Training weiter, wobei mich mein Trainer
in allen Angelegenheiten unterstützte.
Meine elfte Schülerprüfung
wollte ich bei meinem Sihing bestehen, wo ich die
erste Hälfte mit fünfzehn Jahren am 29.04.90
bestand und die zweite Hälfte, mit der Urkunde,
am 29.05.90 überreicht bekam. Diese Prüfung
war einer der schwierigsten, die ich bis dorthin hatte,
denn ich musste meinen Kampfgeist unter Beweis stellen.
Dann wollte ich meinen Übungsleiter im Dezember
des gleichen Jahres bestehen, um Unterrichten zu können.
Meinem Trainer kam die Idee, dass wir jetzt schon
daran arbeiten könnten, eine Jugendgruppe aufzubauen,
damit es dann sofort losgehen könnte.
Durch viel Privattraining konnte ich darauf im Juni
1990 meine erste Hälfte der zwölften Schülerprüfung,
auf einem Lehrgang in Lindlar bestehen, merkte aber
sofort, dass ich für die gesamte Prüfung
noch viel trainieren musste.
Ich half anderen Assistenten bei Vorführungen
und bei dem Aufbau der Schulen, wovon ich viel profitierte.
Um schon Erfahrungen im Unterrichten zu sammeln, half
ich eine Kindergruppe regelmäßig zu leiten.
Der Umgang mit Kindern hat mich sehr geprägt,
denn gerade Kinder muss man noch mehr motivieren und
Spaß vermitteln als Erwachsen.
Mein nächster
WT Lehrgang gab mir Anstoß härter zu trainieren.
Er war natürlich mit Sihing Emin Boztepe. Ich
musste gegen mehrere Angreifer mich verteidigen, und
wurde auf dem Boden der Tatsachen gestellt. Ich musste
mir vorstellen, wie ich aus so einem Kampf hinausgegangen
wäre.
Dann kam mit sechzehn Jahren der Übungsleiterlehrgang
auf Schloss Langenzell in Heidelberg. Ich lernte dort
nicht nur das WT Programm genau kennen, sondern auch
andere Methoden des Angriffes, wie z. B. den Falling
Step von Jack Demsey. Außerdem sah ich Videos
von Jesse Glover und anderen wing chun Verbänden.
Zusätzlich
zu meiner bestandenen Übungsleiterprüfung
erhielt ich die zwölfte Schülerprüfung.
Danach fing ich sofort mit meiner Gruppe an. Ich machte
eine Vorführung, die sehr guten Erfolg hatte.
Nach kürzester Zeit bauten wir die Jugendgruppe
mit mehr als zwanzig Mitgliedern auf. Mit dieser Gruppe
machte ich viel Erfahrung, und durch die Unterstützung
meines Trainers, habe ich manchen Fehler vermeiden
können. Im Besonderen im Umgang mit Menschen
habe ich viel gelernt und mein eigenes WT verbessern
können.
Es war soweit, das wieder ein Umzug stattfinden sollte,
und da mein Trainer sehr viel geschäftlich Tätig
war, konnte ich auch den Erwachsenen Unterricht öfters
bei ihm leiten. Hier verstand ich sofort, dass das
Unterrichten viel schwieriger war, als in meiner Jugendgruppe
und ich gab mir große Mühe.
Nebenbei versuchte
ich noch beim Umzug der Schule zu helfen, wofür
ich wiederum Privatstunden bekam. Zwischen meinem
Sihing und mir war mittlerweile eine gute freundschaftliche
Beziehung heran gewachsen, die über das WT Training
hinausging. Wir trainierten oft Krafttraining zusammen
und auch in Geschäftlichen Angelegenheiten hat
er mich mit einbezogen.
Mein nächstes Ziel war es natürlich meinen
ersten Technikergrad zu bestehen, um höhere Techniken
des WT zu lernen. Ich lernte die zweite Sektion am
26.05.91 auf einen Lehrgang in Aachen. Es war erstaunlich,
wie durch bestimmte Techniken manche Hebel völlig
wirkungslos waren.
Danach sah ich das erste Mal meinen Großmeister
L. T. in Heidelberg.
Die Präzision, Eleganz und Entspanntheit aller
WT Techniken die Sigung vorführte, waren erstaunlich.
Zu der Zeit war auch das Fernsehen auf Schloss Langenzell
und ich freute mich das WT noch populärer werden
würde.
Meine wegen mangels an Trainingspartnern vorgezogene
vierte Sektion machte ich am 04.09.91. Ich musste
viel arbeiten, und mein Training leidete darunter.
Aber ich versuchte es so gut wie möglich in der
Waage zu halten.
Meine dritte Sektion
erhielt ich Ende 1991 auf einem Lehrgang in Lindlar.
Ich fühlte, wie sich durch die höheren Sektionen
meine erste Sektion im Chi Sao verbesserte. Auch im
Unterrichten machte ich große Fortschritte.
Ich stellte mir die Frage wie meine Zukunft im WT
aussehen sollte und kam zum Entschluss WT hauptberuflich
auszuüben. Mein Trainer wollte für mich
Orte auf seinen Namen anmelden, und ich dachte lange
darüber nach, was ich machen sollte. Ich versuchte
ihm zu erklären, dass ich WT zu meinem Beruf
machen wollte, und die meisten Chancen sehe, wenn
ich es später alleine mache. Ich wollte meine
eigene Schule haben und Schüler ausbilden. Ich
sagte auch, dass es jetzt noch zu früh sei, und
ich mir Zeit lassen möchte. Ich wollte in jedem
Fall bei ihm weitermachen. Leider fasste er vieles
anders auf, und ich musste mich entscheiden entweder
gehe ich, oder ich bleibe als Ausbilder bei ihm.
Ich entschied
mich zu gehen, weil ich mit WT mein Leben finanzieren
wollte.
Ich hoffte, dass es wenigstens noch gehen würde
Privatunterricht zu nehmen, aber er machte mir schnell
verständlich, dass das dann auch vorbei wäre.
Ich konnte mich nie über meinen Trainer beklagen,
und ich hoffe er auch nicht über mich, aber ich
musste gehen, weil ich es für das Beste hielt.
Ich trainierte so gut wie es ging Zuhause und überlegte
auf welche Lehrgänge ich fahren könnte.
Ich motivierte Dirk P. einen Freund, der schon längere
Zeit nicht mehr trainierte.
Er wollte eigentlich mit WT schon aufhören, aber
ich konnte ihn neu motivieren.
Er kam zum Entschluss es auch alleine zu versuchen,
und hörte bei Trainer Hans auf.
Dadurch hatte
ich einen Trainingspartner und konnte regelmäßig
WT trainieren.
Ich überlegte mir, wann ich eine Schule eröffnen
könnte und kam zum Entschluss es noch 1992 zu
schaffen. Ich brauchte dafür einen Ort und versuchte
einen möglichst nahe an meinem Heimatort zu bekommen
und der genügend Einwohner aufweist. Ich fuhr
zu einem Lehrgang nach Heidelberg, um meine Sektionen
zu vertiefen.
Ich begriff, wie wichtig regelmäßiges Training
war. Da ich mein Wissen im Unterrichten auch nicht
vernachlässigen wollte, fuhr ich kurz darauf
zu einem Trainer Lehrgang auf Schloss Langenzell.
Leider waren sehr
oft zeitliche Probleme im Wege, so dass ich bis Hannover
oder zur Ostsee nach Fehmarn fahren musste, um mich
fortzubilden. Ich merkte dass es wichtig war auf Lehrgänge
zu fahren, denn nur so kann man mit Fortgeschrittenen
trainieren.
Ich hatte ja noch keine Schüler, um die unteren
Programme zu üben. Dann klappte es aber und ich
bekam endlich meinen eigenen Ort Kürten. Jetzt
ging ich sofort an die Arbeit, dachte aber auch an
die Zukunft und versuchte weitere Orte anzumelden.
Mich auf den ersten Technikergrad vorzubereiten, das
ging mit meinem Trainingspatner, und zusätzlich
unterstützte ich ihn bei seinem Schulaufbau in
Overath. Ich fuhr nach Aachen und Heidelberg, wo ich
WT Anwendung trainierte. An einer riesigen Schule
wie Aachen konnte ich den Aufstieg des WT erkennen.
*Am 31.05.93 mit
neunzehn Jahren bestand ich meinen 1 Techniker- Lehergrad
auf Schloss Langenzell in Heidelberg.
Thorsten Mitzinger
